Sonntag, 23. April 2017

Neu erfunden: Telejoggathon 2017

Die Teilnahme am diesjährigen Sponsorenlauf hatten wir bereits als unmöglich verbucht, da wir zur Zeit der (um eine Woche vorverlegten) Veranstaltung im Urlaub sein werden. Nach vier Jahren Mitlaufen würde das Lauffest, meinten wir, 2017 eben ohne unsere Beteiligung stattfinden.

Doch wie heißt doch noch einer meiner Buchtitel? Richtig: Es gibt kein Unmöglich. Heute wurden wir, die beste aller Ehefrauen und meine Wenigkeit, zu unserer Überraschung seitens des Veranstalters angesprochen, ob wir nicht doch beim Joggathon 2017 dabei sein wollen – per neu erfundenem Telejogging. Wir haben nicht lange nachgedacht und spontan zugesagt.

imageDank der technischen Möglichkeiten unserer Zeit und Epoche können wir nämlich zeitgleich mit den Berliner Teilnehmern starten und nach 60 Minuten Lauf die per Tracker gemessenen Kilometer elektronisch übermitteln – und somit, falls wir sogenannte Sponsoren finden, auch vom Urlaubsort aus zum Erlös für den guten Zweck beitragen.

Alle Informationen zum Joggathon 2017 samt PDF-Version des Prospektes gibt es auf der Internetseite des Veranstalters: [Joggathon 2017]

Wer für Eva oder mich einen Betrag pro gelaufener Runde für den Benefizerlös zusagen möchte, darf uns Name, Adresse und Euro pro Runde per E-Mail mitteilen, an info@matmil.de. Wir laufen bei unserer Telejoggingvariante zwar keine Runden sondern eine Strecke, aber die kann dann in Runden zu 925 Meter umgerechnet werden.

Na denn: Wir sind gespannt, was der 21. Mai für ein Laufergebnis bringen wird. (Das Foto stammt nicht etwa aus einer Reise in die Zukunft, sondern vom Joggathon 2015.)

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Donnerstag, 20. April 2017

Von der Gewöhnung an das Zuviel

Ich bin kein Nostalgiker, für den früher alles besser war. Manches war besser, vieles war anders, aber die Glorifizierung des Vergangenen ist meine Sache nicht.

Heute bin ich bei der Vorbereitung meiner Frühstückspause jedoch auf etwas aufmerksam geworden, was einst leichter fiel: etwas Kostbares wertschätzen. Wieso? Das will ich gerne erläutern.

Ich trenne meine Pausenzeiten, in diesem Fall das Frühstück, bewusst von den Arbeitsstunden, indem ich den Schreibtisch verlasse, mir je nach Stimmung Musik aussuche und höre, ohne mich von der wartenden Arbeit ablenken zu lassen. Die wird auch nach meiner Pause noch da sein. Da bin ich mir sehr sicher.

Heute war mir nach Harfenmusik zumute. Und damit sind wir beim Früher/Heute. Früher wäre ich zum Schallplattenregal gegangen und hätte eine der drei oder vier LPs mit Harfenmusik herausgezogen. Oder, in späteren Jahren, aber immer noch früher, eine CD. Und heute habe ich am PC (der mit meiner HiFi-Anlage verkabelt ist) »Amazon Music« gestartet, den Suchbegriff »Harfenkonzert« eingegeben und hatte sofort eine reiche Auswahl an Alben auf dem Bildschirm. Ich habe dann »Boieldieu - Harfenkonzert in C Dur« gewählt und wie gewohnt gleichzeitig den PC das Musikstück in höchstmöglicher MP3-Qualität aufnehmen lassen. Nach der Frühstückspause wollte ich dann die Aufnahme im Ordner »Harfenmusik« auf unserer 10-Terabyte-Festplatte speichern … und stellte fest, dass dieses Konzert bereits dort vorhanden war.

[WP_20161026_09_34_59_Pro%255B3%255D.jpg]Früher wäre mir das nicht passiert. Da musste ich nämlich, wenn ich ein bestimmtes Konzert beziehungsweise Album haben wollte, die CD oder LP entweder erwerben oder von jemandem ausleihen, um sie auf Cassette zu überspielen. Meist kaufte ich, was in meine Sammlung sollte. Und das kostete Geld. Es war nicht umsonst zu haben – und das ist der springende Punkt.

Natürlich ist auch die Musik, die ich via »Amazon Music« höre, nicht umsonst zu haben. Ich bezahle die monatlichen Gebühren, die Amazon von Prime-Kunden verlangt. Aber das einzelne Musikstück, das einzelne Album, das ist dann einfach so unter einer unüberschaubaren Menge von Musikstücken zu haben. Dadurch verliert es nicht die Schönheit der Musik, die Virtuosität der Darbietung oder die technische Qualität der Aufnahme, aber wie ich am heutigen Harfenkonzert bemerkt habe, weiß ich den Besitz eines solchen Stückes offenbar weniger zu schätzen als wenn ich mir eine LP gekauft hätte. Obwohl ich hunderte LPs und CDs habe, weiß ich nämlich, ob ein gerade verspürter Hörwunsch in meiner Sammlung zu finden ist oder nicht. Bei den Dateien auf der Festplatte ist das ganz offensichtlich nicht mehr lückenlos der Fall.

Ist das schlimm? Nein. Aber für mich war es ein Indiz, wie leicht man sich an Überfluss gewöhnen und wie dabei die Wertschätzung einer an und für sich doch kostbaren Sache schwinden kann. Ich gedenke, dem mit erhöhter Aufmerksamkeit entgegenzuwirken. Musikhören war und ist für mich etwas Kostbares, das ich bewusst genieße (das vielerorts verbreitete Nebenbeigedudel zähle ich nicht zum Musikhören). Dass ich heute leichter in den Genuss einer Vielfalt von Musikstücken kommen kann als früher, sollte die Wertschätzung nicht mindern dürfen. Finde ich.

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Montag, 3. April 2017

Die Kirche liegt im Sterben. Gut so?

Emotional sichtbar sehr bewegt erzählte kürzlich jemand in unserer Gemeinde: »Die Kirche der westlichen Welt liegt im Sterben.« Ich hörte zu und dachte bei mir: Vielleicht ist das ja ganz gut so. Relevant ist sie sowieso nicht mehr.

Nun sollte man nie verallgemeinern. Ohne kirchliche und gemeindliche Aktivitäten gäbe es unzählige Kindergärten, Krankenhäuser, Pflegedienste und soziale Einrichtungen nicht und die gesellschaftliche Not wäre um ein vielfaches schlimmer. In Berlin versorgt zum Beispiel die »Arche«, 1995 gegründet, tausende Kinder und Jugendliche nicht nur mit kostenlosen warmen Mahlzeiten, sondern inzwischen auch mit sinnvollen Freizeitangeboten, Hausaufgabenbetreuung, Lernhilfen und handfester Unterstützung bis in die Familiensituation hinein.

Dennoch stimmt es, dass Gemeinde und Kirche in der klassischen Form, der wöchentlichen Versammlung der Gläubigen zum gemeinsamen Gottesdienst und mit dem Ziel der Gewinnung von »Glaubensfernen« für Christus, im Sterben liegt oder vielerorts bereits gestorben ist. Trotz guten Willens.

Im letzten Jahr ist ein Buch erschienen, das für Kirche und Gemeinde in der westlichen (urbanen) Welt Wege in die Zukunft aufzeigen kann. Ich bin mit meiner Lektüre noch nicht am Ende angelangt, aber doch weit genug fortgeschritten, um meine geschätzten Blogbesucher auf dieses Werk hinweisen zu wollen: Mit Gott in der Stadt von Harald Sommerfeld.

»Welche gut gemeinten [christlichen] Initiativen sind in Ihrer Stadt gescheitert? Woran lag es?« fragt der Autor beispielsweise. Mir fallen gleich eine ganze Menge von frommen Aktivitäten ein, die völlig spurlos an der Stadt (Berlin in meinem Fall) vorbeigegangen sind. Von Großevangelisationen über Haus-zu-Haus-Aktionen bis zu wirkungslosen Nachbarschaftsinitiativen reicht die Bandbreite dessen, was ich an allemal gut gemeinten, aber ohne jeden auch nur annähernd sichtbar gewordenen Erfolg all der Mühe gebliebenen Anstrengungen miterlebt habe.

Harald Sommerfeld stellt in seinem Buch die richtigen Fragen. Ohne, und das ist ihm sehr zugute zu halten, Patentantworten anbieten zu wollen. Vielmehr führt er den Leser zu Hintergründen der Stadt- und Gesellschaftsentwicklung, die wir allzu oft übersehen. Viele Christen bedauern oder bejammern die Gegenwart, ohne sich ernsthaft auf die Suche nach den Ursachen gemacht zu haben. Sie ziehen sich daher immer mehr in ihr frommes Schneckenhaus zurück und sind tieftraurig, dass »die Kirche im Sterben liegt«, wie es die eingangs erwähnte Person ausdrückte. Für alle, die nicht jammern, sondern etwas verändern wollen im Sinne des Evangeliums, ist »Mit Gott in der Stadt« ein hervorragendes Hilfsmittel, um durch die passenden Fragen auf die zukunftsweisenden Spuren zu stoßen.

Ob nun Oberhausen oder Berlin, Kleinstadt oder Metropole, Harald Sommerfeld schildert Entwicklungen und gesellschaftlichen Wandel so, dass man ihn in seiner Zwangsläufigkeit versteht. Dadurch gelingt auch dem Laien wie mir an vielen Stellen die Einsicht, warum die Rezepte von früher heute ins Leere laufen müssen. Und anhand dieser Einsicht findet der interessierte Leser dann tatsächlich praktikable Ansätze für das eigene Umfeld, die ganz persönliche Situation und die Möglichkeiten der jeweiligen Gruppe, Kirche oder Gemeinde, heute und hier das Reich Gottes den Menschen auf eine authentische und zutiefst den biblischen Erzählungen entsprechende Weise vorzustellen.

Das Buch von Harald Sommerfeld lädt vornehmlich das urbane Christentum unserer Tage dazu ein, wieder für die Gesellschaft relevant zu werden. Nicht mit Patentrezepten, sondern anhand von praktischen Erfahrungen und vielen Beispielen aus großen und kleinen Städten. Die Sprache ist, obwohl es sich um ein wissenschaftliches Werk im besten Sinne handelt, immer verständlich. Ich bin kein Theologe und kann dieses Buch dennoch (oder deshalb?) mit großem Gewinn und auch Freude am sprachlichen Ausdruck lesen.

Aber es ist aus meiner Sicht nicht nur ein Buch für Kirche, Gemeinde und fromme Gruppen oder Initiativen. Sondern alles in allem ein nicht nur sachlich, sondern auch sprachlich beeindruckendes Werk eines Autors, dessen Herz für die Stadt und ihre Menschen brennt. Empfehlenswert nicht nur für Christen, sondern für alle, die Gesellschaft und Stadtentwicklung verstehen wollen, um (auch politisch, karitativ oder künstlerisch) an der Gestaltung unserer Zukunft in den Städten mitzuwirken.

Emotional sichtbar sehr bewegt erzählte kürzlich jemand in unserer Gemeinde: »Die Kirche der westlichen Welt liegt im Sterben.« Ich hörte zu und dachte bei mir: Vielleicht ist das ja ganz gut so. Relevant ist sie sowieso nicht mehr. Aber die Gemeinde, von der Jesus Christus sprach, wird nicht sterben. Sondern immer wieder umgestaltet und erneuert, um ihren Auftrag in einer sich ständig entwickelnden und verändernden Welt erfüllen zu können.

Das Buch von Harald Sommerfeld ist überall im Buchhandel (ISBN-10: 3868275797 /// ISBN-13: 978-3868275797) erhältlich oder gleich hier bei Amazon: [http://amzn.to/2nRk3Uq]

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Dienstag, 28. Februar 2017

Wie man toll schreiben kann, ohne üben und lernen zu müssen

Vor vielen Jahren bereiste ich den Amazonas. Eines Abends sagte der Kapitän unseres Bootes: »Ungefähr zwei Dörfer weiter flussabwärts lebt ein Brujo. Ein Volksheld. Er lebt ein Stück vom Fluss entfernt im Urwald. Wenn ihr wollt, könnt ihr ihn besuchen. Er bereitet aus Pflanzen und Wurzeln einen Trank, den man Ayahuasca nennt. Wenn man davon trinkt, kann er heilsam wirken, egal ob es nun um ein körperliches oder psychisches Leiden oder sonst etwas geht. Er kann auch Lebensträume erfüllen.«

Also liefen wir ein paar Tage später im Mondschein durch den Dschungel und kamen zu einem kleinen Haus, vor dem viele Menschen warteten. Kleine Kinder und Frauen hauptsächlich, Bewohner der umliegenden Dörfer. Schließlich waren wir an der Reihe. Der Brujo sagte: »Ihr werdet diesen Saft trinken und etwas später eine Anakonda sehen. Aber habt keine Angst, die ist nicht echt. Sie entsteht in eurem Geist. Das ist das Zeichen, dass ihr euch öffnet und dann kann der Prozess beginnen.

Anaconda_Loreto_PeruWir tranken. Ich hatte keine Angst vor der Anakonda. Der Brujo fragte, was ich mir wünschte. Als ich es ihm ins Ohr flüsterte, schüttelte er den Kopf und meinte, er sei leider kein A-Kon.

Nun bin ich ja bekanntlich ein großer Entdecker, und als ich von unserem Kapitän erfuhr, dass es wiederum ein Stück weiter im Urwald einen noch mächtigeren Weisen gab, einen echten A-Kon, machten wir uns auf den Weg.

A-Kon bedeutet »der, der gesehen hat«.

Als wir ankamen, fragte mich der A-Kon, ob ich gerne gut schreiben können würde. Ich nickte. »Du musst dafür drei sehr schwere Initiationsriten durchschreiten«, erklärte der A-Kon. Ich nickte wieder und bekam meine Aufgaben.

Das erste, was ich absolvieren musste, war ein Ringkampf mit einem Gorilla, der zwei Wochen dauerte. Anschließend musste ich einen schwarzen Panther hypnotisieren. Und dann musste ich zu guter Letzt noch mit meinen bloßen Händen eine schwarze Mamba töten.

Nachdem ich das alles vollbracht hatte, erklärte mir der Mann, ich sei jetzt A-Kon. A-Kon bedeutet »der, der gesehen hat«. Und solche Texte wie diesen kann bekanntlich nur jemand schreiben, der die A-Kon-Initiation absolviert und die Anakonda gesehen hat.

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P.S.: Dank an Paul Simon und Vincent Nguini für die lustigen Geschichten, die sie beim Konzert in Berlin erzählt haben. Das war mir offensichtlich eine vortreffliche Inspiration.

P.P.S.: Foto von Dave Lonsdale - Anaconda, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22403930

Dienstag, 31. Januar 2017

Das wohl persönlichste Buch …

Ich habe, meine regelmäßigen Blogbesucher und Leser meiner Artikel und Bücher wissen das, schon allerlei unterschiedliche Texte verfasst. Darunter sind neben Sachtexten zu diversen Themen und Fiktionen auch zahlreiche persönliche Empfindungen und Erlebnisse zu finden. Einen womöglich repräsentativen Ausschnitt aus der Vielzahl meiner Texte bietet die [Übersicht auf meinem textlastigen Blog] nebenan bei Wordpress.

Am gegenwärtigen Projekt arbeiten nun die beste aller Ehefrauen und meine Wenigkeit gemeinsam. Einen Titel hat das Buch noch nicht und es ist auch bei weitem noch nicht fertig, nicht einmal die erste Rohfassung ist auch nur zur Hälfte komplett. Damit aber meine geschätzten Blogbesucher angesichts der Dürre hier auf dem Blog nicht glauben, ich wäre untätig, will ich heute den Entwurf der Einleitung zum geplanten Buch anbieten.

Bittesehr:

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Die Notoperation wird vorbereitet, aber ein Chirurg hat noch eine Idee, eine Hoffnung, wie mir vielleicht – es ist nicht wahrscheinlich aber immerhin auch nicht ausgeschlossen – ein künstlicher Darmausgang erspart werden kann …
- Blogeintrag aus dem März 2012

Mein Leben, das mir geschenkte Weiterleben, sieht anders aus als in der Zeit vor dem März 2012 – innerlich und äußerlich. Darum geht es in diesem Buch.

Ich fing noch im Krankenhaus an, zu notieren, was ich nicht vergessen wollte. Nur für mich selbst zunächst. Später schrieb ich auf meinem Blog darüber und bekam viele Zuschriften von Lesern, die selbst an Krebs erkrankt waren oder nahe Verwandte mit ähnlichem Schicksal hatten. Sie fühlten sich durch meine Berichte und Schilderungen ermutigt und manches war ihnen auch in ganz praktischer Hinsicht hilfreich. Mit einigen Lesern entwickelte sich eine Brieffreundschaft, aus der dann sogar persönliche Begegnungen zuIMG_0529_sepiastande kamen, die zu bis heute andauernder Freundschaft führten.

Der Anstoß, aus den Notizen und Berichten ein gemeinsam verfasstes Buch zu machen, kam dann von Eva, der besten aller Ehefrauen. Sie hatte via Facebook und in persönlichen Notizen notiert, was und wie sie empfand. Auch sie bekam Zuschriften von Freunden und Verwandten – sogar uns nicht persönlich bekannte Menschen drückten ihre Anteilnahme und Unterstützung aus. Wie viel das bedeutet, wie sehr so etwas zu stärken und Hoffnung zu geben vermag, muss vermutlich selbst erlebt werden, um es voll und ganz schätzen zu können.

In diesem Buch begegnen Sie also zwei Erzählern. Um dabei mögliche Irritationen beim Lesen zu vermeiden, erkennen Sie Günter J. Matthia an dieser Schrift, während die Textbeiträge von Eva Miller-Matthia in dieser Schriftfamilie gesetzt sind.

Eva: Die Idee, gemeinsam dieses Buch zu schreiben, ist mittlerweile über vier Jahre alt. Als sowohl Operation als auch Chemotherapie überstanden waren und wir nach vielen Monaten in unseren gewohnten und doch neuen, für uns einer Art Wiedergeburt gleichenden, Alltag zurückgefunden hatten, kam der Gedanke auf, das Erlebte aus unser beider Perspektiven aufzuschreiben.

Im März 2013, also genau ein Jahr nach der Diagnose Darmkrebs, wurde alles plötzlich wieder greifbar, jedes Gefühl und jeder Gedanke kam mit einer unerwarteten Intensität zurück. Tagelang hatte ich fertige Sätze im Kopf und formulierte meinen Teil des Erfahrungsberichts weiter, aus dem hoffentlich eines Tages ein Buch werden würde. Viele Freunde fanden die Idee ausgezeichnet und ermutigten uns, die Sache durchzuziehen. Nicht zuletzt ließen uns die vielen Mails, die Günter aufgrund seiner Berichte via Blog und Facebook, aber auch Zeitschriftenartikeln, von anderen Krebspatienten und deren Angehörigen erhalten hat, vermuten, dass ein solches Buch Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen könnte.

Zugegeben, heute, Anfang 2017, fällt es mir deutlich schwerer, die Gefühle und Gedanken von damals in einer ähnlichen Intensität zu aktivieren, wie sie mich damals ungebeten überfielen. Aber sie sind nicht gänzlich verschüttet, sind noch abrufbar.

Wenn ich morgens mit unserem Hund durch die Dunkelheit stapfe, dem oftmals geradezu spektakulären Sonnenaufgang entgegen, ist die Dankbarkeit besonders greifbar. Aber auch bei der Verrichtung alltäglicher Dinge oder wenn die Arbeit gerade nicht besonders viel Freude macht, ist es nicht weit weg: das Wissen, dass das Hier und Jetzt nicht selbstverständlich ist, dass alles hätte anders ausgehen können, dass jeder Moment zählt und Wertschätzung verdient.

Bin ich etwa dankbar für den Krebs? Nein. Ich hasse ihn heute genauso wie vor zehn Jahren, als er mit dem Tod meines Vaters als Schreckensgestalt in unser Leben kam. Aber ich bin dankbar für die Veränderungen, die in unserem Leben Einzug gehalten haben. Wenn ich an etwas festhalten will, ist es die Dankbarkeit – für jeden gemeinsamen Tag seit dem März 2012 und für all das, was wir in unserem Leben ändern konnten.

Der vielfältige Beistand, den Eva und ich erleben durften und hoffentlich auch weiter erleben werden, durch so viele mitempfindende Menschen, die Gebete, ob nun »zum Universum« oder zu einem namentlich benannten Gott, von für mich angezündeten Kerzen in katholischen Kirchen bis zu ganz und gar weltlich-irdischen Genesungswünschen … für all das sagen wir auch mit diesem Buch ein herzliches und tief empfundenes Dankeschön!

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P.S.: Foto © November 2012 Photographer Mensch; Ralf Arndt, Berlin

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